Die Stmme, das kostenlose Browsergame

Planet der Flaschen

Wochenende. Ich kauere vor der Couch. Ursprünglich saß ich auf der Couch, aber ein Zwist zwischen mir und der Bierflasche hat dazu geführt, dass die Flasche die gemütlichere Sitzgelegenheit nun für sich allein beanspruchen darf.
In einer jämmerlichen, gelblichen Pfütze liegt die Flasche faul rum. Irgendwie sieht sie friedlich aus, wie sie so da liegt. Den langen Hals sanft auf mein schönstes Kissen gebettet. Fast tut sie mir leid, dass sie so im Nassen liegt. Ich gehe ins Bad und hole der Flasche ein Handtuch.
„Hier haste n Handtuch.“ Ich werfe es ihr hin. Es tut sich jedoch nix.
„Na, abtrocknen musst du dich schon alleine. So was Faules aber auch!“
Ich setze mich wieder auf den Boden und überlege, was es für eine Welt wäre, in der Flaschen die Macht hätten und den Menschen unterwerfen.
„Naja.. soooo unrealistisch ist das ja gar nich!“
Im Fernsehen beginnt soeben Big Brother. Die Bewohner selbst nennen es „das Projekt“.
„Ha, da haben sie auf jeden Fall meine Theorie schon in die Praxis umgesetzt!“
Kollegial klopfe ich der Flasche auf die Schulter und werfe ihr vielsagende Blicke zu. Diejenigen, die jetzt den Kopf schütteln und behaupten: „Aber Flaschen haben doch gar keine Schultern“, möchte ich bitten, darüber nachzudenken worauf son Hals im Allgemeinen befestigt ist.
Entschließe mich, ab sofort allen Flaschen ihre menschlichen Körperteile zuzuordnen. Schließlich könnten sie irgendwann die Macht an sich reißen und dann bin ich vorbereitet! Triumphierend schlürfe ich etwas Bier von der Couch, das noch nicht versickert ist.
Der Kronkorken ist ganz klar der Kopf. Gleich am nächsten Abend stelle ich in der Kneipe meine neue Flaschenkörper- Physiognomie vor. Das wird gut ankommen, da bin ich mir sicher. Ich bestelle mir ein Fläschchen und kommentiere laut:
„Dir reiß ich den Kopf ab!“
Der Wirt ist verwirrt. (Naja, dass steckt ja schon im Namen.)
Beim dritten Bier fühlt sich der Wirt berufen nachzufragen, was bei mir eigentlich in der Kindheit schief gelaufen sei, ob ich keine Frau hätte die zu Hause auf mich wartet, aber dass wäre jawohl klar, dass da keiner ist, das würde man ja im Kopf nicht aushalten, wäre er mal Maler geblieben, da wären die Leute wenigsten meistens weg, wahrscheinlich in der Kneipe, weil zu Hause gemalert wird.
Als ich die Vierte Flasche bestelle, den Untersetzer zurechtrücke und laut rufe: “Bitte nimm doch auf dem Teppich platz!“, reicht es dem Wirt.
„Du kriegst hier nix mehr. Du warst ja schon beim ersten Bier im Delirium. Kannst wohl den Hals nich voll kriegen!“
Ich starre die Flasche an und überlege.
Ich wäre ja schon längst zu Hause, wenn ich nur genau wüßte, dass die Machtübernahme der Flaschen nicht schon stattgefunden hat. Wie soll denn das funktionieren! Da kommst du nichts ahnend nach Hause und da steht ne Horde wilder Flaschen vor dir und bedroht dich mit nem Korkenzieher. Also antworte ich:
„Aber wo soll ich denn hin! Zu Hause hab ich 23 Flaschen. Die 21 leeren würde ich noch schaffen, aber die vollen? Wie stellst du dir das vor. Son unfairer Kampf, Zwei gegen Einen.“
Als der Wirt unter die Theke greift beschließe ich spontan zu gehen. Draußen treffe ich volltrunken und halb auf der Straße liegend eine Alkoholleiche. Ich frage ihn ob er noch laufen kann.
„Klaar kann ick lofen.“ Er rappelt sich auf und bleibt tatsächlich so was ähnliches wie stehen. Ich gebe ihm meinen letzten Fünfer, dafür das er in die Kneipe geht, sich ruhig so richtig daneben benehmen darf, sich vom Geld ein Bier bestellt und dabei erzählt, das er wahrscheinlich bis zum Schluss bleibt, weil bei ihm zu Hause gemalert wird.
Jetzt aber ab nach Hause. Habe noch einen Film für die Couch-Flasche und mich ausgeliehen. Es ist immer gut, sich mit seinem Feind gut zu stellen. Und falls ich auch nur die geringsten Anzeichen einer Verschwörung bemerken sollte, werd ich der Flasche einfach den Hals umdrehen.

Ein Kommentar

  1. Ich musste es n paar mal lesen. es ist lustig. ich denke aber, mir sind n paar Spitzfindigkeiten untergegangen. Möglicherweise hast Du da noch n paar Gedankengänge gehabt, die im Text nicht ganz deutlich werden.


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Der Beitrag wurde am 18. März 2009 um 22:53 veröffentlicht und wurde in der Kategorie bernds meckerbissen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.