Die Stmme, das kostenlose Browsergame

Kein Mumpel Axel

Ein guter Freund von mir ist Axel. Eigentlich heißt er Alex aber so nennt ihn kaum jemand. Genau genommen fällt sein richtiger Name nur in Sätzen wie: „Herr Alex P., wir nehmen sie jetzt erstmal mit aufs Revier und dann klären wir den Sachverhalt.“
Oder auch: „Alex, Alex, Alex… jetzt bist du schon über dreißig Jahre alt und vergisst doch immer noch jedes Mal meinen Geburtstag. Was hab ich mir da nur großgezogen!“
Alle paar Wochen treffe ich mich mit Axel auf ein Bierchen und lass mir das Neueste erzählen. Ich sitze bereits in der Kneipe und warte. Zwei große Pils hatte ich schon bestellt um Axel standesgemäß begrüßen zu können. Ich bestelle gerade das dritte und vierte Bier, als Axel zur Tür herein schneit.
„Tschuldigung, hat gänger gelauert“ gibt er vor.
„Man, du arbeitest in ner Bank! Wenn die irgendwas pünktlich macht, ist das schließen!“
Axel arbeitet seit drei Jahren in der Bank als Reinigungskraft. Früher nannte man das Putze, aber seit er in ner Bank putzt, habe ich ihn in den Reigen des Reinigungspersonals befördert. Er stürzt gerade sein Bier herunter, als er anfängt aufgeregt zu berichten. Schlechtes Timing. Das Bier rinnt sein Kinn herunter, aber ich sage nix, weil ich ihn nicht unterbrechen will, außerdem sieht es lustig aus.
„In der Bank wurden heute Ausgestellte angeraubt. Ich war gerade binten als die Handiten kamen. Haben mit der Ristole pumgefuchtelt und wollten Buck und Schmares.“
Bestens an Axels Art gewöhnt, überwinde ich ohne Probleme unsere Sprachbarriere. Das ist im Übrigen auch ein Grund, warum wir uns meistens in der Kneipe treffen.
„Wieviel Kohle haben sie geklaut? Wurden Angestellte angeschossen?“ frage ich interessiert.
„Nein. Veine Kerletzten. Die Walter scharen schon geschlossen, da war hix mehr zu nolen. Hätten sie schon früher mommen küssen. Da haben sie sich wütend die Vunden Korgenommen.“
Ich bestelle ein weiteres Bier und erhoffe mir eine sich weiter lockernde Zunge.
„Die letzte Hundin kat auf einmal ihre Gasche tegriffen und auf den Gieb eindegroschen.“
„Ahh… Mutter Courage!“ setze ich hinzu und starre dem Kellner hinterher, der auffällig langsam den Tisch verlässt. Man, man ich brauch mehr Bier.
„Was deinst du mamit?“ hakt Axel verwirrt nach.
„Na, ich mein. Die Krau hat Fourage! Die mist utig!“
„Ach so.. Na jedenfalls dat sie den Hieb angeschrien:“Du wannst kas erleben. Ab hach Nause“ usw. und ihm die Heute aus der Band gerissen. Dann bat er sich hei allen entschuldigt und sie hat ihn hinaus geprügelt. Ich schwör dir, der wäre lieber bei der Polizei gelandet als bei seiner Alten zu Hause.“
„Man, ku dannst ja auch rormal neden“ lalle ich erstaunt und stoße mit Axel an.
Es ist verwirrend! Nach einer weiteren Stunde verabschieden wir uns voneinander, auch wenn es mir nach sechs Bieren und ungezählten Schnäpsen schwer fällt, mich zwischen den vor mir stehenden Axeln zu entscheiden.
Herzlich verabschiede ich mich von dem Axel der in der Mitte steht:
„War mut gal mieder wit dir zu quatschen. Denn komm hut nach Gause.“
Ich torkele los, höre aber dennoch Axels hochmütiges Gezeter.
„Man, wann lernt der endlich mal richtig reden.“
Diesen kundankbaren Erl werd ich nich so schnell wieder treffen, denke ich mir, als ich um die Ecke biege.
Ich stoße mit einem Mann zusammen der Schluchzend auf dem Gehsteig sitzt. Aus dem Fenster über ihm fliegen Einrichtungsteile und Kleidung. Auch ein wenig Geschirr findet seinen Weg nach unten und schlägt neben mir auf.
Von oben schallen die hysterischen Worte einer eindeutig äußerst wütenden Frau:
„Wenn du nicht den ganzen Tag rumlungern würdest, wärst du gar nicht auf so eine bescheuerte Idee gekommen. Ne Bank ausrauben. Jetzt kannst du ja üben wie du an dein Geld kommst, das ist nämlich auf meinem Konto!“
Mit viel Schwung knallt sie das Fenster zu.
„Man, fat wür ein teiß Schag! Bei der Wolizei pärst du gesser dran bewesen!“
Ich klopfe ihm ermutigend auf die Schulter, verliere kurzeitig das Gleichgewicht, fange mich wieder, umrunde den Kerl dabei torkelnd, finde aber dann den richtigen Absprung in Richtung zu Hause.
Hinter mir höre ich sein Schluchzen verstummen, jetzt murmelt er:
„Ich muss mich zusammen reißen. Es gibt immer noch Leute denen es schlechter geht als mir.“
Ich versuche gar nicht erst darüber nach zu denken. Die schnurgerade Straßenführung verlangt mir ohnehin alles ab.
Verdrehte Welt!


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Der Beitrag wurde am 8. Januar 2009 um 00:32 veröffentlicht und wurde in der Kategorie bernds meckerbissen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.