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Muttertags-Paule

Am Sonntag bin ich extra früh aufgestanden. Bis 13 Uhr hab ich mich schon angezogen, die Haare gekämmt und die Zähne geputzt. Ich stehe vorm Spiegel, ziehe den Bauch ein und zolle mir Respekt.
„Ja Bernd, gar nicht schlecht. Du bist der Beste, Bernd. Man, man..wie du aussiehst. Also so würd ich auch gern aussehen!“
Jetzt aber los. Jedesmal diese Prozedur bevor man Besuch bekommt, frage mich ernsthaft wozu sowas nötig sein soll. Aber ich habe mich dieser Situation gestellt, denn früher dauerte es Tage oder Wochen um die Wohnung her zu richten, jetzt nur noch wenige Minuten. Ich nehme ein paar Fotos aus der Tasche und stelle sie im Zimmer auf. Da klingelt es auch schon. Meine Mutter ist da.
„Hallo Bernd. Sag mal wie lange dauert es eigentlich noch, bis du endlich mal ein Klingelschild mit deinem Namen anbringst? So kann doch keiner wohnen.“
„Oh ich freue mich auch dich zu sehen Mutter.“ Versuche ich mich einzuschmeicheln.
Sie stürmt an mir vorbei in die Wohnung und scannt mit ihrem Blick sämtliche Räume bis in die letzte Ecke. Wenn du ihr ne Zeitung hinhältst kann sie nicht mal die Überschrift lesen, aber den zu niedrigen Wasserstand der Pflanzen kann sie durch die Wand sehen und auch die schimmelige Wurst unter der Packung Schokolade im verschlossenen Kühlschrank entdeckt sie ohne Probleme, noch vom Flur aus.
Zielstrebig eilt sie in die Küche und setzt sich an den Tisch. Ich biete ihr einen Kaffee an und schütte zwei Eiswürfel hinein. „Ja, so sollte es schneller gehen.“ Im Normalfall dauern diese Besuche nur wenige Minuten, zumindest seitdem ich den Eiswürfeltrick für mich entdeckt habe.
„Also Bernd!“ beginnt sie ihre üblichen Ausführungen. „Wann wirst du denn endlich mal erwachsen? Hast du immer noch keine Freundin? Du bist doch nicht etwa schwul oder? Deine Geschwister sind schon verantwortungsvolle Eltern und arbeiten hart, aber du lungerst ständig in dieser Bude rum? Wie lange soll denn das noch so weiter gehen…?“
„Ja“ antworte ich nach längerem Überlegen aber mit voller Inbrunst. Das hat sie verwirrt. Sie verstummt. Sie erhebt sich mit gewohnt, übermäßig eleganter Geste vom Stuhl und fuchtelt mit einem Geldschein vor meinem Gesicht rum.
„Den nimmst du und lässt dir davon endlich ein Klingelschild anbringen“ spricht sie, als sie mir einen Zwanziger ins Hemd stopft. Und schon bin ich sie wieder los. Zum Glück hält sie sich lieber bei meinen Geschwistern auf, die sich dann an einem längeren Besuch erfreuen dürfen. Was, wenn ich’s mir recht überlege, wahrscheinlich auch auf ihren Fußpfleger und ihren Zahnarzt zutrifft. Naja, damit kann ich leben. Vor der Tür steht mein Kumpel Paul. Wie er so dasteht habe ich Mitleid mit ihm. Er hat nur Unterhosen an, zittert mit den Knien, reibt sich mit den Händen hektisch die Arme und starrt mich ziemlich wütend an.
„Weißt du eigentlich wie kalt das draußen ist? Räum gefälligst deine Bude auf. Ich hab langsam echt die Nase voll. Jedes Mal dieses Theater wenn deine Mutter kommt.“ Er reißt den Geldschein, der aus meinem Hemd ragt, an sich und setzt mich unsanft vor die Tür.
“Is schon okay!“ rufe ich ihm hinterher durch die verschlossene Tür.
„Danke Mann. Das Geld kannst du ruhig behalten. Kauf dir davon ein neues Klingelschild, ich hab deins wieder abgerissen. Vielleicht kaufst du ja mal eins, das einfacher zu wechseln ist.“
Dir Tür öffnet sich noch einmal. Paul schiebt seinen Kopf heraus, starrt in Richtung Klingelschild, dann in meine und wirft mir meine Fotos an den Kopf. Die Tür knallt zu.
Als ich das Haus verlasse steht draußen eine ältliche Nachbarin Pauls, die der Polizei aufgeregt Bericht erstattet.
„Der stand da… In Unterwäsche… hat mir aufgelauert…dachte mir schon immer das mit dem was nicht stimmt… bestimmt illegale Geschäfte… Perversling!“
Ich denke ich werde in nächster Zeit keinen Besuch mehr empfangen können.


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Der Beitrag wurde am 12. Dezember 2008 um 17:56 veröffentlicht und wurde in der Kategorie bernds meckerbissen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.