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Mein Block

In meinem Haus wohnen noch mehrere andere. Und obwohl darunter auch einige Familien sind, nennt man es nur Wohnblock. Anscheinend fehlt noch eine gewisse Anzahl an Personen um als Mehrfamilienhaus anerkannt zu werden. Ich wüsste aber ohnehin nicht, wozu das gut sein sollte. Wahrscheinlich würde dann gleich der Vermieter kommen und sagen:
“Bernd, zum nächsten Monat wird die Miete um 10 Prozent erhöht, schließlich ist dies ein respektables Mehrfamilienhaus.”
Aber da es nur als Wohnblock gilt, brauche ich mir darüber keine Sorgen zu machen.
Als es klingelt schlurfe ich zur Tür, spähe aber vorsichtshalber durch den Spion. Eine klein gewachsene, ältere Frau steht da und starrt direkt zurück. Ich entschließe also still zu verharren, da sie mich ja unmöglich sehen kann. Man ist das unheimlich. Plötzlich zieht sie ihren Stock und hämmert wild gegen die Tür.
„Ich weiß, dass er da ist! Ich sehe ihn doch!”
Ich schrecke zurück und presse meinen Körper an die Wand. Schweiß rinnt sofort Stirn und Körper herunter und ich werde wahrscheinlich einen unschönen Fleck an der Wand hinterlassen. Genau an der Stelle, an der ich vorherige Woche die Restflecken der letzten GEZ Kontrolle überstrichen habe. Damals habe ich von einer ansteckenden Krankheit erzählt, die es mir unmöglich macht die Tür zu öffnen. So ansteckend, dass ich selbst den Fernseher abgeschafft habe, um andere Zuschauer zu schützen, die sich über die Sendewellen infizieren könnten. Das hat nach einer Weile überzeugt, aber wie werde ich die Hexe mit dem Röntgenblick los, die mittlerweile gegen meine Tür hämmert und mich bereits verflucht.
„Beweise, dass du in Frieden kommst” rufe ich durch die Tür.
„Jetzt ist er jawohl total durchgeknallt. Mach endlich auf!” geifert die Alte.
„Schmeißen sie den Stock weg und legen sie sich flach auf den Boden” rufe ich autoritär. „Hände weg vom Körper, so dass ich sie sehen kann.”
„Ich bin die Tante von Janine, deiner Nachbarin. Ich wollte was für sie abgeben.”
Ich zögere, vielleicht lügt sie, um in meine Wohnung zu gelangen und hier sonst was anzustellen. Zögerlich sehe ich noch mal durch den Spion.
Die Alte steht da und hält mir mit spöttischem Gesichtsausdruck ein Päckchen entgegen. Na gut, denke ich mir, ich werde es riskieren. Ich lege die Sicherheitskette an und öffne dir Tür einen Spalt.
„Haben sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie sie dem Paradies näher kommen können?” sage ich ihr, fingere einen zerknitterten „Wachturm” vom Schuhschrank und schiebe ihn durch den Türspalt. Ich hoffe sie damit schnell wieder loswerden zu können. Bei mir funktioniert das zumindest.
Skeptisch starrt mich die Fremde an. Wir haben nun beide das gleiche Mistrauenslevel erreicht.
„Janine ist nicht zuhause. Kann er vielleicht helfen und mir das Päckchen abnehmen?”
Ich schaue mich um, hinter mir steht niemand in der Wohnung. Wen zum Teufel meint sie also.
„Da niemand anderes da ist, kann ich ihr natürlich das Paket geben.”
„Na sag ich doch.” Antwortet sie ungeduldig.
Ich öffne die Tür ganz, nehme ihr den Karton ab und drücke ihr die Zeitung in die Hand. Wir spüren beide deutliches Unbehagen.
„Aber er muss ihr das auch wirklich geben. Ich ruf Janine an und frage nach ob sie das Paket bekommen hat” bohrt sie nach.
„Ja natürlich gebe ich es ihr” antworte ich. „Schließlich ist dies hier ein respektables Mehrfamilienhaus.”
Sie schüttelt mit dem Kopf und dreht sich um zum Gehen. „Respektabel” murmelt sie „mieser Wohnblock trifft es eher.”
Ich schließe die Tür wieder und untersuche das Päckchen, noch immer misstrauisch. Da fällt es mir ein.. Janine ist vor kurzem umgezogen. Nur einen Block weiter, deshalb hab ich es ganz vergessen. Aber wenn die Hexe wirklich Janines Tante wäre, wüsste sie das. Voller Panik renne ich zum Fenster, reiße es auf und schmeiße den Karton in hohem Bogen hinaus. Ich werfe mich sofort auf den Boden und erwarte eine Explosion oder Ähnliches. Vielleicht ist das Paket ja doch die späte Rache der GEZ. Ich höre wie der Karton auf dem Asphalt aufschlägt. Kurz darauf brüllt jemand wütend herum. Klingt wie die Hexe.
„Der hat sie doch nicht alle.. Porzellan..alles hin..dem Spinner werd ich..”
Neugierig krieche ich näher ans Fenster und spähe vorsichtig hinaus. Ich sehe die Alte wütend mit dem Stock wedelnd. Sie schreit mich an und bevor ich reagieren kann, schmettert sie mir die Zeitung an den Kopf. Mit letzter Kraft knalle ich das Fenster zu und sinke erschöpft auf dem Boden zusammen. In einem Mehrfamilienhaus wäre mir so etwas sicher nicht passiert.


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Der Beitrag wurde am 24. November 2008 um 22:03 veröffentlicht und wurde in der Kategorie bernds meckerbissen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.